Zum aktuellen Reformpaket der Bundesregierung warnt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit der SPD vor negativen Folgen.
„Der von der Union durchgesetzte Punkt der Koalitionsausschusseinigung, dass künftig bereits ab dem ersten Tag eine ärztliche Krankschreibung eingeholt werden muss, ist völlig abenteuerlich“, erklärt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) Boris Velter.
„Wenn nun künftig Patientinnen und Patienten zum Beispiel mit Viruserkrankungen, Infektionen oder anderen akuten Beschwerden ab dem ersten Tag der Erkrankungen in die Arztpraxen sollen, ist das weder der Gesundheit zuträglich noch den ohnehin stark belasteten Hausarztpraxen. So werden im Zweifel andere Patientinnen und Patienten angesteckt und der Aufwand in den Praxen erhöht sich weiter. Auch die telefonische Krankschreibung durch Ärztinnen und Ärzte, die die jeweilige Person kennen, ist eine pragmatische und sinnvolle Lösung, gerade bei Erkrankungen wie Magen-Darm-Infekten. Kommt die Pflicht zur Krankschreibung in der Praxis ab dem ersten Tag, wird erhebliche Bürokratie geschaffen – das Gegenteil vom politisch erklärten Ziel. Eine funktionierende Regelung würde über den Haufen geworfen, nur weil einige Arbeitgeber nicht zu wissen scheinen, wie sie mit einem hohen Krankenstand umgehen sollen. Scheinbar denken manche: Druck wird helfen. Unsere Arbeitsgemeinschaft wird im Verfahren dafür werben, dieses nicht zielführende, sogar kontraproduktive Vorhaben so nicht Realität werden zu lassen“, so Velter. Hierfür appelliert er an die Vernunft der Union.
Hintergrund: Die Bundesregierung hat ihr Reformpaket vorgestellt. Geplant ist für den Gesundheitsbereich unter anderem, die Regeln für Krankschreibungen von Beschäftigten zu verschärfen. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (sog. AU, „gelber Schein“) soll künftig verpflichtend schon ab dem ersten Tag der Erkrankung vorgelegt werden. Bisher ist dies standardmäßig erst ab dem vierten Tag gesetzlich vorgeschrieben. Abgeschafft werden soll zudem die Möglichkeit zu telefonischen Krankschreibungen. Begründet werden die Maßnahmen mit hohen Fehlzeiten in Unternehmen.
Die ASG ist die älteste Arbeitsgemeinschaft in der SPD. In ihr engagieren sich SPD-Mitglieder aus allen Berufen des Gesundheitswesens und darüber hinaus.
Quelle: spd.de